L2-L3 Fluidity Camp Avenches August 2011

Level 2 / Level 3 Spezialcamp "Natürlich besser reiten mit Fluidity"
Mit *** Senior Instruktorin Carmen Zulauf in Avenches VD

Ein Feedback von Teilnehmerin Cornelia Fürst mit Fotos von Karsten Hofmann

Hallo zusammen!

Der Kurs war für mich und mein Pferd super! Nachfolgend ein Auszug aus meinem Kurstagebuch...

Tag 1:
Wir sprachen in einem ausgiebigen Theorieblock über Komfort-, Panik- und Lernzonen beim Pferd und beim Menschen sowie darüber, wie man diese optimal gestalten kann für Mensch und Tier und welche Strategien zu erfolgreichem Lernen führen. Im praktischen Teil ging es erstmal darum, in der neuen Umgebung für unsere Pferde und uns eine Komfortzone zu schaffen. Auf der Anlage stehen sehr viele Pferde, dauernd fahren irgendwelche Maschinen vorbei, Wassersprinkler laufen, Traber und Galopper fegen über die benachbarte Rennbahn und es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Wir schauten uns verschiedene Strategien an, um dem Pferd zu helfen, am neuen Ort anzukommen. Da sich der Mensch in einem fremden Umfeld oftmals auch nicht so verhält wie zuhause, kann dies gewisse Pferde so ziemlich aus dem Lot bringen. So verbrachten wir den Nachmittag also damit, uns einzuleben und „unheimlich wichtige“ pferdische Aufgaben zu erfüllen, bis wir uns mit den Pferden gut „connected“ hatten. Danach gings daran, die 7 Games durchzuchecken und allenfalls zu verbessern. Damit war der erste Tag dann auch schon ziemlich schnell rum…

Tag 2:
Heute gings um Körperwahrnehmung und Balance, beim Mensch und beim Pferd. Zur Sprache kamen dabei Schiefe und körperliche Voraussetzungen für die Bewegung in Balance. Die „Mitte“ suchen lassen und nicht vorgeben oder gar forcieren; bei Mensch und Pferd – das schafft körperliche und somit auch emotionale und mentale Selbstsicherheit. Im praktischen Teil arbeiteten wir vorallem mit dem Drivinggame in Zone 3 – Ziel war es, die Vorhand, die Hinterhand und die Zone 3 unabhängig voneinander auf der Zirkellinie zu verschieben. Ebenfalls waren wir angehalten, Balancepunkte zu suchen – wo biegt sich das Pferd gut, wo weniger gut; wo kommt Takt und Rhythmus – also vorallem Beobachtungsaufgaben. Weiter arbeiteten wir an Übergängen auf dem Zirkel, erst Schritt / Trab; dann Trab / Galopp. Ebenfalls mit dabei waren Wechsel durch den Zirkel, mit dem Ziel, die Impulsion zu erhalten und nicht zu verlieren. Alles in allem ein spannender Tag; wir haben uns sehr viel bewegt, und Enna hat ihre Sache sehr gut gemacht, bin sehr glücklich mit ihr.

Tag 3:
„Trust in their response, but be ready to correct“ – diesen Satz habe ich mir zuerst aufgeschrieben heute. Wie oft fällt man in irgendwelches „micromanagen“ hinein, ohne dem Pferd die Chance zu geben, seinen richtigen Weg überhaupt zu suchen und zu finden? Mir passiert dies immer mal wieder – mittlerweile zum Glück zwar weniger als zu meinen PNH-Anfängen, aber halt dennoch. Besonders wenn ich müde bin oder noch unzählige andere Dinge im Kopf habe – grundsätzlich würde ich da ja besser einfach etwas die Seele baumeln lassen (ich mach mir im Moment allgemein viel Druck – nicht nur "pferdisch"… leider…). „Don’t let and make – but allow and cause“ – gehört auch in dieses Kapitel… Wir diskutierten an diesem Tag über verschiedenste pferdische Verhaltensweisen, unter anderem in der Herde; und was wir als Menschen dürfen und was nicht. Vor Ort konnten wir verschiedene Dynamiken in der Herde auch prima beobachten; Verhalten bei der Fütterung, usw. In Bezug auf Fluidity führten wir dann einige Simulationen auf der Pferdeattrappe und auf Gymnastikbällen durch. Ziel war es zuerst, den Körper zu lockern, zu dehnen und in Balance zu bringen und anscheinend auf dem Ball das „Ausgesessen traben“ zu üben. Das war sehr amüsant, wie wir da flott auf unseren Bällen trabten – aber ich hab‘ dabei Muskeln gebraucht, wo ich gar nicht wusste, dass es die gibt!!! Danach machten wir unsere Pferde warm mit verschiedenen Mobilisationsübungen & Pre-Flight-Checks und verbesserten die Qualität vom Hindquarter-Disengagement aus dem Sattel. Nach dem Mittagessen folgten nochmals einige Simulationen. Im Vierfüsserstand konnten wir uns gegenseitig auf unsere Rücken setzen und beobachten / erfühlen, was der Unterschied vom Sitzen im Balancepunkt oder dann eben Stuhl- und Spaltsitz ist (und das ist echt fies, wenn man das Pferd sein muss, wirklich!!). Ebenfalls sehr eindrücklich war das Gefühl von Richtungsänderung mit Augen-Bauchnabel-Fokus und die Lage der Fussgelenke, wenn man als „Pferd“ da kniete – ich staune mittlerweile, dass mich bareback in all den 15 Jahren nie ein Pferd runtergebuckelt hat; ich würd’s sowas von verstehen! ☺ Im zweiten praktischen Teil übten wir dann Indirect Rein, Lateral Flexion und Hindquarterdisengagement. Dann gings weiter mit „Pushing Passenger“, Balancepunkten suchen, Verspannungen im eigenen Körper aufsuchen und lösen sowie das Pferd beim Reiten spiegeln. Da wir bislang reiterlich ausser Geländeritten eher wenig gemacht haben, waren diese Erfahrungen für mich total neu – und dementsprechend verkrampfte ich mich zu Beginn andauernd wieder irgendwo. Bis zum Schluss der session brachte dann aber auch ich einigermassen geschmeidige Bewegungen hin.

Tag 4:
Der Tag heute stand unter dem Motto „Control – Confidence – Competence“. Das eine baut auf dem andern auf – ohne Vertrauen und Kontrolle kann man nicht an Feinheiten arbeiten wollen. Nun geht’s darum, nicht mehr in den Gewohnheiten der unteren Levels festzuhängen, sondern die Qualität der Spiele zu steigern und die Feinheiten zu erkennen. Beim Reiten wärmten wir wiederum mit verschiedenen Spielen auf und arbeiteten an der Mobilisation der Pferde. Anschliessend gings weiter mit Pushing Passenger – der Fokus lag darauf, das Pferd und seine Bewegungen zu erspüren: wo ist es locker, wo ist es verspannt; welche Bewegungen fallen ihm leicht und welche nicht. Das Ziel war es, eine Einheit mit dem Pferd zu schaffen, sich auch reiterlich dem Pferd anzuschliessen und ihm zu beweisen, dass wir ihm folgen können. Das Ganze entwickelten wir weiter zu einem „mirror me!“, wobei wir in erster Linie die frei laufenden Pferde punkto Bewegung, Balance und Energielevel spiegeln sollten. Das Ganze war echt spannend – ich genoss es, Enna zu „erspüren“ und mit ihr hinzugehen, wohin sie wollte. Der zweite Schritt war dann, wenn eine gute Einheit da war, dem Pferd Vorschläge zu machen und zu schauen, ob es sie ebenfalls spiegeln mochte… Was passiert, wenn man dann seine Gedanken abschweifen lässt, merkte ich sogleich: Ich fühlte mich etwas faul und betrachtete den schönen warm-fluffigen Sand und was macht mein Pferd? Legt sich hin, mit mir drauf… ☺ Schlussendlich rappelten wir uns dann aber doch wieder auf und probierten nochmal – und da schau her; sie fing auf meinen Vorschlag an, Dehnung zu suchen, Schritte zu verlängern und zu verkürzen und die Richtung zu wechseln. Das Gefühl war ganz speziell – ich glaub‘, so fühlt man sich als Zentauer; himmlisch!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 5:
Schon ist der letzte der fünf intensiven, interessanten Tage angebrochen. Ich fühlte die Reitsession von gestern ganz deutlich – da existieren Muskeln, wo ich nix davon wusste. Im Theorieteil besprachen wir die Weiterarbeit für jedes Pferd, grundsätzliche Arbeiten und spezielle Aufgaben und ihre Wirkung sowie das individuelle weitere Vorgehen für jedes Pferd-Reiterpaar. Unsere nächsten Ziele werden sein: Pferd begleiten im Reiten, nicht stören; Entspannung und Rhythmus sowie eine aktive gesunde Dehnung fördern. Sobald das Pferd hierbei Sicherheit erlangt, folgen verschiedenste Aufgaben, um die Lastaufnahme der Hinterhand zu fördern, vorallem Übergänge, Rahmenveränderungen, Tempiwechsel sowie die weitere Mobilisation und Ausbalancierung von Vorhand, Hinterhand und Zone 3 via lateraler Bewegungen. Im praktischen Teil folgte nochmals das Suchen von Einheit, Gefühl und Balance, der Wechsel zwischen Vorschlag und Folgen, Übergänge sowie einige erste Trab-Galoppübergänge.

Fazit:
Der Kurs war sehr intensiv aufgrund der wenigen Teilnehmer – erlaubte jedoch gerade deswegen auch eine sehr grosse Flexibilität. Wir konnten einige Themen ansprechen, die in einem „Standart-Kurs“ vielleicht eher weniger Gewicht bekommen hätten... Für mich hat sich dieser Kurs vollumfänglich gelohnt; ich und auch mein Pferd kamen einige Schritte weiter und haben eine gute Basis zur Weiterarbeit bekommen. Verblüffenderweise zeigt Enna nach diesen wenigen Tagen bereits auch ein positiv verändertes Muskelbild, was mich zusätzlich freut… Zudem habe ich es auch genossen, einfach mal eine Woche intensiv mit meinem Pferd zu verbringen; eine „pferdische“ Auszeit sozusagen!

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